Geschichte

Im Jahre 1861 wurde in Gotha der Deutsche Schützenbund gegründet. Die Folge war, dass sich allerorts neue Schützenvereine bildeten. So auch in Hochstadt. Hier schlossen sich im Jahre 1890 einige Männer zu einem Flobertschützenverein zusammen und nannten sich „Kaiser Friedrich Flobertgesellschaft“. Über die Gründungsmitglieder ist nichts bekannt, auch nicht darüber, weshalb dieser Verein wieder aufgelöst wurde.

1897 fanden sich abermals junge Männer zusammen und gründeten die „Flobertschützen – Gesellschaft Tell“, die bereits im Jahre 1911 ihr erstes Schützenfest feiern konnte. Der Schießplatz befand sich in der Verlängerung der Schützengasse zum heutigen Festplatz.

Der 1. Weltkrieg brachte das Schützenwesen in Hochstadt völlig zum Erliegen. Als er zu Ende war, kehrte ein Viertel der Hochstädter Schützen nicht zurück. Doch Anfang der 20er Jahre wurde der Schießbetrieb wieder aufgenommen. Man traf sich am Sonntagmorgen in der Schießhalle auf „Rauchschem“ Gelände. Dann kam das Jahr 1933 mit der „Machtübernahme“ der Nationalsozialisten. Von hier ab trat das Sportschießen immer mehr in den Hintergrund. Die vormilitärische Ausbildung hatte Vorrang. Mit Beginn des 2. Weltkrieges war es mit dem Sportschießen gänzlich vorbei. Erst im Jahre 1959 wurde in Hochstadt der Schützenverein wieder neu gegründet.

In Dörnigheim wurde die „Schützengesellschaft 1954 e.V. Dörnigheim“ gegründet. Zwar gab es in Dörnigheim schon vor 1900 einen Zimmerstutzenverein „Viktoria“, jedoch ist darüber nichts Näheres bekannt.

Als sich 1975 die Hochstädter Schützen wegen interner Differenzen spalteten, schloß sich der Tell-Verein mit den Dörnigheimer Schützen zu einer „Wettkampfgemeinschaft“ zusammen, die große sportliche Erfolge zu verzeichnen hatte. 1981 erfolgte dann der endgültige Zusammenschluß zur „Schützengesellschaft Tell 1897 e.V. Hochstadt-Dörnigheim“.

Bei der Gründung des Vereins bedachte man nicht, daß das Schützenwesen eine sehr alte Tradition hat. Vor allem die befestigten, mit Ringmauern und Türmen versehenen Städte brauchten Leute, die im Notfall ihre Stadt zu verteidigen hatten, und das waren die Mitglieder der Schützengilden, -gesellschaften, Bürgerwehren, Fähnlein usw. Hochstadt war seit dem 13. Jahrhundert ein befestigter Ort, mit Ringmauer, Ober- und Untertor. In Dörnigheim wurde um 1300 eine Ringmauer errichtet und um 1620 auf 6 Meter erhöht. Also begann der Verein Nachforschungen hierüber anzustellen.

iese zogen sich über einige Jahre hin, bis ein Hinweis auf das Hessische Staatsarchiv in Marburg kam. Hier wurden dann Akten gewälzt. Es handelte sich um Bürgermeisterabrechnungen. Leider begannen sie erst Mitte des 16. Jahrhunderts. Ältere Unterlagen sind wahrscheinlich durch Brand oder Krieg verloren gegangen. Es war nicht leicht, die alten Schriften zu entziffern. Aus den Unterlagen des Jahres 1560 ging hervor, daß der Bürgermeister den „Büchsenschützen“ einen Geldbetrag gespendet hatte. Es folgten weiter Einträge wie: „Ein Schießscheiben den Büchsenschützen….“. Ein anderer Eintrag weist darauf hin, daß die Büchsenschützen “ ein halb Viertel Wein“ erhalten haben. Leider ist der Grund nicht zu entziffern. Daß auch Hochstädter Schützen auswärts geschossen haben, geht aus folgendem Eintrag hervor: „gegeben dem Büchsenschützen Schmidt gen Wasserlos zwecks schießen gezogen“. Der gleiche Schütze erhielt ein Zehrgeld, als er 1565 “ gen Roßbach zwecks schießen gezogen“.

Daß die Schützen nicht nur zu ihrem Vergnügen da waren, ist im Buch „Hanau – Stadt und Land“ von J. Ernst Zimmermann nachzulesen. So mußte Hochstadt im Jahre 1566 einhundert und Dörnigheim vierzig Bewaffnete aufbieten, als es zum Streit zwischen Hanau und Friedberg kam. 1587 gab es in Hochstadt 67 Schützen mit Sturmhauben und Seitenwehr, 25 mit Harnisch und Sturmhauben, und Dörnigheim hatte 43 Büchsenschützen und 7 Feldspießer (wehrhafte Männer). 1589 bekamen die Hochstädter Schützen vom Rüstmeister Simon aus Hanau eine Fahne überreicht und schon 1596 gab es eine neue Fahne. Im Jahre 1599 wurde ein Hauptschießen abgehalten. Auch mußte 1599 für die Unterweisung der Schützen 3 Gulden, 15 Schilling aus der Dörnigheimer Gemeindekasse gezahlt werden.

1622 werden erstmals Hakenbüchsen erwähnt. Das Übungsschießen fand jeden Sonntag im Sommer von Walburgis bis Michaelis (30. April bis 29. September) auf der Bleiche statt. Zum An- und Abschießen gab es von der Gemeinde jedesmal ein Viertel oder 16 Schoppen Wein. Die Schützen wurden damals von einem Fähnrich geführt. 1725 wird ein Fähnrich Rahn erwähnt und 1749 nochmals ein Fähnrich.

Die vorerwähnten Unterlagen waren dann der Grund dafür, die „Schützengesellschaft Tell 1897“ jetzt in „Schützengesellschaft Tell 1560 e.V. Hochstadt-Dörnigheim“ umzubenennen. Somit zählt auch sie mit zu den ältesten Schützengesellschaften in Deutschland.